Bohrt die Nagra in der Nähe der Linner Linde?

Aktuelle Karte aus der Präsentation «Startgespräch mit Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern» der Nagra. Die Nagra erläutert: «Die Festlegung von Bohrplätzen ist ein laufender Prozess. Die auf der Karte eingezeichneten Bohrperimeter sind Planungsannahmen, oder - man kann auch sagen - die Ausgangslage, anhand der eine Konkretisierung vorangetrieben wird.»

  

Wie an der Gemeindeversammlung der Einwohnergemeinde Bözberg vom 24. Juni 2015 unter dem Traktandum «Verschiedenes» auf Nachfrage eines besorgten Bürgers zu erfahren war, seien noch deren drei der ursprünglich geplanten sechs Bohrplätze für die Sondierbohrungen auf dem Gemeindebann der Gemeinde Bözberg vorgesehen.

Einer dieser Bohrplätze soll sich in unmittelbarer Umgebung zur geschützten Linner Linde befinden, es müsse «aufgrund der Geologie» dort gebohrt werden.
Der Standort am Hafen sei hingegen aufgehoben worden. Auf der Basis dieser Information ergaben sich zahlreiche Fragen.

Der Verein ProLinn hat sich bemüht, Antworten zu diesen Fragen bei der Nagra einzuholen. Da diese nicht nur die Bevölkerung von Linn betreffen, haben wir uns dazu entschieden, die erhaltenen Informationen einem weiteren Kreis zugänglich zu machen.

Das aktuelle INFO-LINN Nr. 1 als PDF-Download.

Ist die Linner Linde mit ihrem hohen Landschafts- und Erholungswert in Gefahr?

 

Fragen des Vereins ProLinn an die Nagra

Am 08.07.2015 hat der Vereins ProLinn der Nagra Fragen bezüglich der Standorte möglicher Bohrplätze auf dem Bözberg gestellt. Hier die Antworten der Nagra vom 20.07.2015.

 

1. Sind die Standorte der möglichen Bohrplätze bereits definiert? (Gibt es dafür eine genauere Karte der Standorte als die bisher gezeigte.)
Nein, die Standorte der möglichen Bohrplätze sind noch nicht definiert. Deren konkrete Ausarbeitung im Bereich der Ende Januar 2015 veröffentlichten Bohrungsperimeter für die beim Bund einzureichenden Sondiergesuche ist derzeit in Gang.
Im Rahmen der Erarbeitung der Sondiergesuche werden die kantonalen wie auch die kommunalen Behörden angehört sowie natürlich die betroffenen Grundeigentümer mit einbezogen, um deren Anliegen in den Planungen weitestgehend berücksichtigen sowie die entsprechenden vertraglichen Vereinbarungen abschliessen zu können. Gemäss heutiger Planung werden die Gesuche beider Standortregionen gegen Ende 2015 beim Bund (UVEK) eingereicht und die Öffentlichkeit über die Einreichung informiert.

2. Welche Gründe haben dazu geführt, dass von den zunächst sechs geplanten Bohrplätzen drei entfallen?
Die Nagra beabsichtigt in der Standortregion Jura Ost für insgesamt acht Bohrstandorte Sondiergesuche einzureichen. Davon wird das Gesuch für eine zentrale Bohrung (JO-BP-7) nur bei Bedarf und nach Vorliegen der Resultate der 3D-Seismik-Kampagne eingereicht.
«Entfallen» sind keine Bohrstandorte. Einige Bohrungen in Bohrungsperimetern, die auch die Gemeinde Bözberg hätten betreffen können, werden nach heutigem Arbeitsstand aufgrund weiterführender Abklärungen auf dem Gemeindegebiet anderer Gemeinden platziert.
Festzuhalten ist weiter, dass zwar acht bzw. vorerst sieben Gesuche eingereicht werden, nach heutiger Planung jedoch nicht alle Bohrungen ausgeführt werden dürften; abhängig vom Erkenntnisgewinn aus der 3D-Seismik-Kampagne sowie insbesondere aus den Untersuchungen aus den hintereinander ausgeführten einzelnen Bohrungen.

3. Welche Kriterien werden herangezogen um z. B. den Bohrplatz «am Hafen» auszuschließen; welche dienen dazu den Bohrplatz «bei der Linner Linde» in die engere Auswahl aufzunehmen?
Für die Platzierung der Bohrungen müssen insbesondere die vorgegebenen Anforderungen des Kernenergiegesetzes berücksichtigt werden, d.h. einerseits müssen die Bohrungen an dem vorgesehenen Standort zu einem Erkenntnisgewinn führen, andererseits darf die Sicherheit eines später zu realisierenden geologischen Tiefenlagers nicht beeinträchtigt werden. Zusätzlich sind übergeordnete rechtliche Rahmenbedingungen z.B. der Verfassung oder des Umweltrechts zu berücksichtigen.
Darüber hinaus zieht die Nagra jedoch auch lokale Randbedingungen sowie die konkreten Einschätzungen der kantonalen und kommunalen Behörden in ihre Überlegungen mit ein. Nicht zu Letzt werden auch die Anliegen der betroffenen Grundbesitzenden Eingang in die Planung finden. Die Erfahrung zeigt, dass gänzlich konfliktfreie Bohrplätze in der Regel sehr schwer zu finden sind.
Zur Frage «Bohrplatz am Hafen» vgl. Antwort 2.
Zur Frage «Bohrplatz bei der Linner Linde»: Die Nagra ist sich der Situation im Bereich der Linde von Linn sowie des Stellenwerts derselben bewusst. Dies wurde auch seitens kantonaler und kommunaler Behörden deutlich unterstrichen. Wie bereits erwähnt sind noch keine Bohrplätze festgelegt und genannter Umstand wird bei der Platzierung der Bohrung im Bereich BP-4 gebührend berücksichtigt.

4. Wann werden die Baugesuche für die Bohrungen eingereicht?
Nach heutiger Planung werden die Sondiergesuche gegen Ende 2015 beim Bundesamt für Energie in Vertretung des UVEK eingereicht. Die Bewilligung der Sondiergesuche unterliegt einem bundesbehördlich koordinierten Verfahren. Deshalb sind in den Gesuchen sämtliche bewilligungsrelevanten Aspekte thematisiert und auch die Baugesuchsunterlagen enthalten.

5. Welche Einsprachefristen gelten in dieser Angelegenheit?
Nach dem Einreichen der Gesuche durch die Nagra beim BEF werden diese durch die Kantone gemäss heutiger Planung ab anfangs 2016 öffentlich aufgelegt. Allfällige Einsprecher müssen während der 30-tägigen Auflagefrist Einsprache erheben.
6. Wie lange würde ein Bohrplatz bei Linn bestehen bleiben und über welche Zeitdauer würde gebohrt werden? Bleiben nach der Bohrung Bauten zurück? Wenn ja wie lange?

Die Dauer für das Einrichten eines Bohrplatzes ist abhängig von der Situation vor Ort, dürfte in der Regel aber rund 2 Monate dauern. Die Dauer einer Tiefbohrung hängt auch von den geplanten Untersuchungen ab, so dass wir zurzeit von einer Dauer von 6 bis 12 Monaten ausgehen. Falls vom gleichen Standort eine weitere Bohrung abgeteuft würde, ist mit einer zusätzlichen Dauer von ca. einem Jahr zu rechnen. Nach Beendigung der Bohrung wird der Bohrplatz abgeräumt und das Land rekultiviert.
Bei den meisten Bohrungen wird ein rund 20 bis 30 m2 grosse ebenerdiger Bohrkeller für die Langzeitbeobachtung zurückbleiben. Dieser Bohrkeller ist befahrbar und benötigt einen einfachen Zugang für die Wartung der Instrumente. Wie lange dieser Bohrkeller bestehen bleibt ist offen, insbesondere besteht die Möglichkeit, dass einzelne Langzeitbeobachtungssysteme in ein Monitoring überführt werden können. Es ist mit einigen Jahrzehnten zu rechnen. Falls das Tiefenlager an einem anderen Ort realisiert wird kann die Bohrung gemäss den Auflagen der Aufsichtsbehörden verfüllt werden. Anschliessend wird der Bohrkeller dann ebenfalls zurückgebaut und auch dieser Bereich rekultiviert. Falls jedoch ein Tiefenlagerlager in der Region gebaut würde, ist davon auszugehen, dass die Beobachtungssysteme in das Monitoring-Programm des Geologischen Tiefenlagers übernommen werden und der Bohrkeller weiterhin fortbesteht.

7. Mit welchen Lärmimmissionen ist zu rechnen?
Das Bauprogramm ist so ausgerichtet, dass die Beeinträchtigungen in der unmittelbaren Nachbarschaft möglichst gering gehalten werden können.
Grundsätzlich werden seitens der Behörden entsprechende Auflagen gemacht und keine Bohrungen bewilligt, welche nicht den Anforderungen der Lärmschutzverordnung genügen. Dementsprechend sind bedarfsgerecht Lärmschutzmassnahmen wie z.B. Erdwälle oder zur Ergänzung auch Lärmschutzwände vorgesehen. Werden während des Betriebs Überschreitungen der Lärmbelastung festgestellt, müssen entsprechende Nachbesserungen vorgenommen werden.
Die Erstellung des Bohrplatzes ist mit einer gewöhnlichen Baustelle zur Erstellung eines Bauplatzes zu vergleichen. Es wird dort nur tagsüber gearbeitet. Die Bohrung selbst wird im 24-Stunden Betrieb abgeteuft. Arbeiten die allenfalls zu Lärmemissionen führen könnten werden wenn immer möglich in die Tagschicht verschoben. Nachts gelten generell tiefere Lärmschutzwerte, die von der Nagra und ihren Auftragnehmern einzuhalten sind.
Nach Abschluss der Bohrarbeiten und der Rekultivierung, d.h. in der nachfolgenden Langzeitbeobachtungsphase sind keine lärmrelevanten Arbeiten mehr geplant.

8. Mit welchen Erschütterungen ist zu rechnen?
In der Vergangenheit konnte bei keiner Nagra Sondierbohrung oder vergleichbaren Bohrungen in der Schweiz die Auslösung von spürbaren Erschütterungen beobachtet werden.
Bei der Bohrplatzerstellung und beim Abteufen der Bohrung werden demnach keine spürbaren Erschütterungen erwartet. Insbesondere auch weil im Rahmen der Bohr- und Testarbeiten in der Sondierbohrung keinerlei Stimulationsarbeiten, z.B. vergleichbar mit den Arbeiten in den Geothermiebohrungen Basel und St. Gallen, in den verschiedenen Gesteinsformationen geplant sind, so dass eine induzierte spürbare Seismizität ausgeschlossen werden kann.

9. Wie gross ist die Fläche, die für den Bohrplatz bei der Linner Linde beansprucht würde?
Wie bereits mit Antwort 3 ausgeführt, wird der besonderen Bedeutung der «Linner Linde» entsprechend Rechnung getragen (vergleiche Frage 3).
Für ein Bohrplatz wird generell und abhängig von der topographischen Situation vor Ort eine Fläche von rund 4‘000 bis 6‘000 m2 sowie Flächen für eine allfällige Aushub- und Humusdeponie benötigt.

10. Rund um die Linner Linde befindet sich ein Quellgebiet. Der geplante Bau eines Parkplatzes neben der Linde wurde vom Kanton aus diesem Grund nicht bewilligt. Dürfte ein Bohrplatz an dieser Stelle platziert werden? Gesetzt den Fall: Welchen Einfluss hätte der Bohrplatz auf das Quellgebiet?
Der genannte Sachverhalt im Bereich der Linde Linn ist der Nagra bekannt. Unabhängig davon werden generell keine Bohrungen in Quell- bzw. Grundwasserschutzgebieten geplant.

Hier geht es zum entsprechenden Artikel der Aargauer Zeitung vom 22. September 2015 der über die Fragen des Vereins ProLinn an die Nagra berichtet.
 

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Die Linde von Linn ist mit ca. 11 Meter Stammumfang und 25 Meter Höhe die mächtigste Linde der Schweiz. Man schätzt sein Alter auf ca. 800 Jahre.

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